ScienceKids Lehr- und Lernwerkstatt

„ScienceKids: Kinder entdecken Gesundheit“ gibt es nun auch für die Schüler der Sekundarstufe I (11 – 16 Jahre). Damit soll den Jugendlichen bereits in der Schule eine gesunde Lebensweise vermittelt werden. Erste Studien der Pilotphase zeigen: Das Projekt zeigt Wirkung. Die neuen Unterrichtsmaterialien wurden im Rahmen der „ScienceKids Lehr- und Lernwerkstatt“ am 27.09. erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Auf dieser Seite finden Sie die Bilder der Veranstaltung und die Präsentation von Prof. Toni Faltermaier.

Was bewegt – wie bewegen? Jugendliche – Gesundheit – Innovative Gesundheitsbildung

Professor Toni Faltermaier
Gesundheitspsychologie, Universität Flensburg

Warum ist es sinnvoll und notwendig, in die Gesundheit von Jugendlichen zu investieren? Viele Studien zeigen deutlich, dass Jugendliche in beträchtlichem Maße von gesundheitlichen Problemen und Störungen betroffen sind. Sie leiden insbesondere an psychischen und psychosomatischen Störungen und Beeinträchtigungen. Diese Entwicklungen machen verstärkte präventive Anstrengungen notwendiger denn je.

Die Adoleszenz ist eine kritische Phase für den Einstieg in gesundheitlich riskante Verhaltensstile, die langfristig wirksam bleiben. Diese Jugendphase kann aber auch Chancen bieten, gesundheitlich positive Einstellungen, Lebensstile und Kompetenzen aufzubauen. Jugendliche für gesundheitliche Themen zu interessieren und zu motivieren, ist eine große Herausforderung. Das Thema Gesundheit hat in dieser Lebensphase keine „prickelnden Effekte“. Die abschreckende Wirkung von späteren Erkrankungen ist für Heranwachsende gering. Zukunft – das ist viel zu weit weg. Risiken einzugehen und sich in gefährlichen Situationen auszuprobieren, ist in vielen jugendlichen Subkulturen außerdem positiv besetzt. Richten Erwachsen Gesundheitsbotschaften an Jugendliche gar als Verzichtsappelle mit dem moralischen oder pädagogischen Zeigefinger, dann wird das geradezu als Aufforderung verstanden, wegzuhören und gelangweilt zur Tagesordnung überzugehen. Was ist also zu tun? Wie kann man Jugendliche in der Gesundheitsbildung erreichen und bewegen? Was können uns dazu wissenschaftliche Konzepte und Erkenntnisse sagen? Entwicklungsaufgaben bewältigen lernen Zunächst: Wir müssen Jugendliche dort abholen, wo sie stehen. Gesundheitsförderung muss die für sie bedeutsamen Themen und Lebenswelten verstehen, ihre Entwicklungsaufgaben und Motive berücksichtigen. In der Pubertät verändern sich Jugendliche körperlich radikal. Sie suchen nach ihrem Selbstbild, nach ihrer Identität und ihrem Platz in der Erwachsenenwelt. Heranwachsende lösen sich allmählich vom Elternhaus ab. Sie gehen neue, auch intime Beziehungen ein. Diese Entwicklungsschritte sind beinahe immer mit Verunsicherungen, nicht selten mit stressigen Belastungen verbunden. Zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben brauchen Heranwachsende die Begleitung und Unterstützung ihrer Umwelt. Stehen Jugendlichen keine Kompetenzen für eine erfolgreiche Bewältigung ihrer Probleme zur Verfügung, dann kann für sie die Flucht in riskante Verhaltensweisen eine attraktive Alternative sein.

„Gute Schule“ hält gesund
Gesundheit ist mehr als nicht krank zu sein – dazu sollten wir Jugendliche positiv motivieren. Ein solches Verständnis von Gesundheit lässt sich durchaus mit positiven, für Heranwachsende attraktiven Zielen verbinden. Körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden, Lebensfreude und Fitness – Gesundheit in diesem Sinne ist eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. So verstanden ist für Lernende und Lehrende Gesundheit keine zusätzliche Aufgabe in einem bereits vielfach überforderten Schul- und Lehrumfeld. Sie ist zentrale Bedingung für eine „gute Schule“. Wir verfügen heute über vielfältige wissenschaftliche Forschungsergebnisse von den Bedingungen, die Menschen gesund erhalten können. Das Modell der Salutogenese setzt auf die positive Förderung von Gesundheit. Die Stärkung von Ressourcen und nicht nur die Vermeidung von Risiken soll in diesem konzeptionellen Ansatz Menschen eine möglichst stabile Lebensorientierung und das „Gefühl der
Kohärenz“ vermitteln. Jugendliche müssen verstehen (lernen), wie ihr Leben läuft. Insbesondere aber müssen sie eine Zuversicht entwickeln, unterschiedliche Anforderungen in allen Phasen ihres Lebens auch meistern zu
können. Heranwachsende müssen außerdem Werte und Lebensziele finden, die für sie Sinn machen.

Passende Methoden
Wollen wir Jugendliche ansprechen und sollen sie diese Gesundheitsziele als erreichbar erleben, dann muss Gesundheitslernen dazu über passende und angemessene Methoden verfügen. Heranwachsende müssen neue Erfahrungen machen können und sich auch emotional angesprochen fühlen. Nicht kurzfristig angelerntes Wissen, sondern langfristig verfügbare Erkenntnisse, Einstellungen
und Kompetenzen können zu Lebensstilen beitragen, die Gesundheit als ein zentrales Potential im Leben erhalten. ScienceKids hat sich mit einer handlungsorientierten Gesundheitsbildung auf einen neuen vielversprechenden Weg gemacht. Für die Lehrenden birgt er große Herausforderungen, aber auch große Chancen.

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